EuGH-Urteil C-440/23 stärkt nationale Verbote für Online-Casino-Spiele aus anderen EU-Staaten

Das Gericht der Europäischen Union hat am 16. April 2026 in der Rechtssache C-440/23 entschieden, dass EU-Recht Deutschland nicht daran hindert, Online-Casino-Spiele wie Roulette und Automatenspiele sowie bestimmte Wettformen zu verbieten, die von Betreibern mit Lizenzen aus anderen Mitgliedstaaten wie Malta angeboten werden, und zwar auch dann, wenn diese Dienste vor den Änderungen des Glücksspielstaatsvertrags 2021 in Deutschland zugänglich waren.
Hintergründe des Verfahrens
Das Verfahren betraf die Frage, ob nationale Beschränkungen für grenzüberschreitende Online-Glücksspieldienste mit dem EU-Recht vereinbar sind, wobei die Kläger aus Malta argumentierten, dass bestehende Lizenzen einen freien Dienstleistungsverkehr gewährleisten müssten. Das Gericht stellte fest, dass Mitgliedstaaten solche Beschränkungen aus Gründen des öffentlichen Interesses, insbesondere zum Schutz von Verbrauchern und zur Bekämpfung von Spielsucht, aufrechterhalten können, sofern die Maßnahmen verhältnismäßig und nicht diskriminierend sind. Die Entscheidung bezieht sich direkt auf den Fall, in dem deutsche Behörden Anbieter mit maltesischer Lizenz von der Bereitstellung von Casino-Spielen und bestimmten Sportwetten ausschlossen.
Die zentralen Punkte des Urteils
Richter am EuGH betonten, dass die Regelungen des deutschen Glücksspielstaatsvertrags 2021 legitime Ziele verfolgen und daher Vorrang vor der Dienstleistungsfreiheit haben können, wenn sie auf nachweisbaren Risiken für Spieler basieren. Betreiber aus anderen EU-Ländern dürfen ihre Angebote in Deutschland nicht ohne deutsche Erlaubnis anbieten, und dies gilt auch für Plattformen, die vor 2021 Nutzer aus Deutschland erreicht hatten. Die Urteilsbegründung verweist auf frühere Rechtsprechung, wonach Glücksspielmärkte wegen ihrer besonderen Natur einer strengen nationalen Kontrolle unterliegen dürfen.
Auswirkungen auf Betreiber und Spieler im Mai 2026
Seit der Verkündung des Urteils haben maltesische Lizenzinhaber ihre Angebote für deutsche Nutzer weiter eingeschränkt, während deutsche Aufsichtsbehörden die Durchsetzung bestehender Verbote intensiviert haben. Spieler, die zuvor auf ausländische Plattformen zugegriffen haben, sehen sich nun mit gesperrten Zugängen und Hinweisen auf die Notwendigkeit deutscher Lizenzen konfrontiert. Daten aus Berichten der Europäischen Kommission zeigen, dass solche nationalen Beschränkungen in mehreren Mitgliedstaaten zu einer Reduzierung grenzüberschreitender Angebote geführt haben, ohne dass dies gegen EU-Grundfreiheiten verstößt.

Deutsche Landesbehörden setzen die Vorgaben des Staatsvertrags konsequent um, und Betreiber ohne deutsche Konzession müssen ihre Dienste für IP-Adressen aus Deutschland blockieren. Beobachter aus der Glücksspielbranche berichten, dass einige maltesische Firmen ihre Geschäftsmodelle angepasst haben, indem sie sich auf Märkte außerhalb Deutschlands konzentrieren oder Partnerschaften mit deutschen Lizenznehmern prüfen. Das Urteil schafft Rechtssicherheit für nationale Regelungen und bestätigt, dass Verbraucherschutzmaßnahmen Vorrang vor uneingeschränktem grenzüberschreitendem Wettbewerb haben können.
Rechtliche und regulatorische Konsequenzen
Die Entscheidung stützt sich auf die Pressemitteilung Nr. 53/26 des EuGH, die das Urteil in der Rechtssache C-440/23 zusammenfasst und die Zulässigkeit von Verboten für Online-Casino-Spiele und Wettformen ausdrücklich bestätigt. PRESS RELEASE No 53/26 - Judgment in Case C-440/23 erläutert die Abwägung zwischen Dienstleistungsfreiheit und öffentlichen Interessen. Regulatoren in anderen EU-Staaten prüfen ähnliche Ansätze, während deutsche Gerichte und Behörden das Urteil als Grundlage für weitere Durchsetzungsmaßnahmen nutzen.
Betroffene Unternehmen haben angekündigt, ihre Strategien zu überdenken, und einige haben Klagen gegen nationale Verbote zurückgezogen. Die Regelung bleibt auf öffentliche Interessen wie den Schutz vor übermäßigem Spielverhalten fokussiert und erlaubt keine pauschalen Diskriminierungen aufgrund der Herkunft des Anbieters.
Fazit
Das EuGH-Urteil vom April 2026 schafft eine klare Grundlage für die Fortsetzung nationaler Beschränkungen im Online-Glücksspielbereich in Deutschland. Es unterstreicht die Kompetenz der Mitgliedstaaten, eigene Schutzstandards durchzusetzen, solange diese mit EU-Recht in Einklang stehen. In den kommenden Monaten werden weitere Anpassungen bei Anbietern und Aufsichtsstellen erwartet, die sich an den Vorgaben des Urteils orientieren.